Unterwegs – oder: Steine bis zum Umfallen

So ein kleines Land, und so viele alte Steine…

Wir sind auf dem Weg nach Tartus, einer kleiner Hafenstadt auf dem Weg zwischen Aleppo und Damaskus. Auf unserem Weg dorthin halten wir an der Burg „Crac des Chevalies“, auf arabisch قلعة الحصن Qala’at al-Hosn. Eine Traumburg, wie sie im Buche steht – drei Burgringe, Schießscharten, Türme, Zinnen … und ein Ausblick, den man nicht mehr vergisst.

Die Unterkunft ist geplant – wie fast alles hier natürlich über Vitamin B. Der Freund des Freundes hat ein kleines Ferienhäuschen in einem kleinen Feriendörfchen nahe von Tartus und wir dürfen dort übernachten. Das Häuschen sei ein bisschen heruntergekommen – nun gut, wir sind nicht anspruchsvoll, und mehr als eine saubere Bettdecke und Matratze brauche ich eigentlich nicht.
Wir erhalten den Schlüssel und betreten (ohne Freund, der sich schon wieder auf den Weg nach Hause gemacht hat) das kleine Häuschen in dem kleinen wie ausgestorben wirkenden Feriendorf (es ist grade keine Saison…und so sind wir die einzigen Gäste – schon unheimlich).

Das Häuschen ist – nun ja, uns trifft der Schlag. Kennt ihr den Film Joes Appartment? Nicht? Das hier ist jedenfalls Joes Ferienhäuschen…jeder Raum voll mit toten Kakerlaken, heruntergekommen, verwahrlost. Wir lassen alles stehen und liegen und gehen erst einmal zum Strand, denn immerhin sind wir dafür die ganze Strecke nach Tartus gefahren.
Als wir wieder im Kakerlakenwohnheim sind, wird beratschlagt. Und nach kurzer Diskussion und zweimaliger Toilettenfütterung auf Grund von Übelkeit wegen unzumutbarer Umstände (nein, ich war es nicht :D…) machen wir uns auf die Suche nach einem Hotel in Tartus. Wäre es nicht schön, einfach in ein Hotel zu gehen, und dort ein Zimmer zu mieten?

Leider ist das alles nicht so einfach, besonders, wenn man als Frau zusammen mit zwei Männern reist, wenn man nur ein Studentenbudget zur Verfügung hat und auch noch Ansprüche an saubere Bettwäsche stellt.
So finden wir erst nach viel Sucherei und wiedermal Vitamin B ein einigermaßen sauberes Hotel, welches nicht aussieht wie der Arbeitsplatz für Damen des horizontalen Gewerbes oder ein Touristenabstellraum. (Die günstigen Hotels in Tartus, die im Reiseführer LonelyPlanet genannt werden, kann ich nicht empfehlen, z.B Hotel Daniel (*). Sie machen weder einen seriösen noch sauberen Eindruck – wer ein einigermaßen sauberes Hotel zum guten Preis sucht, sollte mal bei Cleopatra Hotel, Corniche, Tel: 43-220915 (**) vorbeischauen.)
Und nach der ganzen Rennerei bin ich jetzt einfach nur dankbar: Dankbar, dass mir keine Kakerlake begegnet, dankbar, dass ich ein sauberes Bett habe, und dankbar, dass das Badezimmer funktionstüchtig ist.

Ein neuer Tag, ein neues Ziel: Wir sind auf dem Weg nach Slunfeh und Kasab, der grünen Lunge Syriens ganz im Norden des Landes.

So grün habe ich Syrien noch nie gesehen. Mit dem Auto fahren wir an grünen Bergen, grünen Feldern, Bäumen, Straßen vorbei – kein Staub, keine vertrocknete Landschaft. Auf unserem Weg machen wir einen Zwischenstop auf der Burg „Qala’at al-Marqab“ – und wenn irgendjemand von Euch meint, diese Burg besetzen zu können: Zu spät – diese Burg ist meine  ;)….nicht so stattlich wie Qala’at al-Hosn, nicht so groß, nicht so imposant und – wenn man ein kleiner Ritter mit kleinem Ross ist – nicht ganz zu beängstigend – aber strategisch günstig und verzaubert. Wer das Buch „Der verwunschene Garten“ kennt und liebt, wird sich in dieser Burg wohlfühlen.

Mit dem Auto gurken wir den Berg hoch, oben angekommen zahlen wir unseren Eintritt und beginnen unseren Rundgang, da… „Entschuldigen Sie,….“, kommt ein Mitarbeiter auf uns zu, „ihr Auto qualmt.“ – Na wunderbar! Da stehen wir nun mit einem dampfenden Auto (es waren zum Glück nicht die Bremsen *quietsch*) irgendwo oben auf einem Berg – weit weit weg vom nächsten ADAC. Unser Kühlwasser ist leer, der Schlauch hat ein Loch…

Mit viel Wassernachfüllerei und langen Wasserspuren auf der Straße finden wir nach der Bergabfahrt in einem kleinen nahegelegenen Dorf schließlich eine Werkstatt. Eine kleine Garage, vor der zwei Männer und ein Junge an einem Auto rumwerkeln – wir versuchen unser Glück. Es werden ein paar graue, ehemals weiße Plastikgartenstühle auf dem Gehweg am Straßenrand platziert, die wir nutzen dürfen, während sich der Mechaniker unser Auto ansieht. Wo man in Deutschland wohl zunächst einen Termin machen, ein Hotel bis zum nächsten Tag mieten oder wenigstens einen Leihwagen nehmen müsste, müssen wir hier nur etwas warten. Der Mechaniker lässt alles stehen und liegen und schaut sich unseren Wagen an: Klare Sache, der Schlauch ist durch. Zwar hat er keine passenden Ersatzteile da, aber bei den Nachbarn lässt sich was organisieren, und so können wir nach gut 30 Minuten und 3,- Eur Lohn unseren Weg fortsetzen.

Wir fahren weiter nach Slunfeh, aber durch den Zeitverlust bleibt es bei einer Durchfahrt direkt weiter nach Kassab. Unterwegs passieren wir zahlreiche kleine Dörfer und als uns der Hunger packt, halten wir an einem kleinen Haus und kaufen handgemachtes Brot aus dem Holzofen. Über Hygienemaßnahmen mache ich mir keine Gedanken, einfach nicht nachdenken – das Brot schmeckt.

Nach Serpentinen rauf –  –  runter – rauf  – runter – raufrunter raufru…treffen wir in der Dunkelheit in Kassab ein. Eine Ferienwohnung ist schnell gefunden, sie ist sauber und bequem (und kakerlakenfrei dazu…) – herrlich.

Leider müssen wir uns am Morgen in aller Frühe schon wieder auf den Rückweg machen, weil das Auto, welches wir benutzen, dort gebraucht wird. Also bleibt uns leider in Kassab nicht viel Zeit, die Gegend bei Tageslicht zu erkunden, eine kurze Frühstücksstipvisite am See auf der Rückfahrt muss reichen – aber ich komme wieder.

Am frühen Nachmittag – und insgesamt 900 km in 2 1/2 Tagen – erreichen wir Damaskus.

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